Menschenfischer trifft Löwenjäger
Begegnung jenseits des Tourismus – Studium praktisch leben

  • Menschenfischer trifft Löwenjäger

    Menschenfischer trifft Löwenjäger

    Begegnung jenseits des Tourismus – Studium praktisch leben

    Dr. László Szabó

     

    „If I ever run into God I will put a spear through Him.1” Die Worte eines jungen Massai Ältesten zeigten schon vor Jahrzenten Frustration und Enttäuschung. Als halbnomadisch lebend nilotisches Hirtenvolk haben die Massai in dem letzten Jahrhundert weitgehende Veränderungen erlebt, die ihr Leben bis heute im wachsenden Masse beeinflussen und bedrohen.

     

    Sie wanderten im 16. Jahrhundert aus dem südlichen Sudan Richtung heutiges Kenia und Tansania und dehnten die Grenzen ihres Einflussgebietes in diesen beiden Ländern aus. Aber ab dem Mitte des 19 Jahrhunderts änderte sich die Lage grundlegend und das stolze Volk der Massai wurde neben den inneren Konflikten immer mehr mit verheerenden politischen Herausforderungen, Dürre, Rinderpest, Pockenepedemien und die Verlust der besten Weidegründern konfrontiert. Heutzutage sind die Massai in minderwertigen Reservaten angesiedelt, da viele von ihren früheren Siedlungsgebieten (Ngorongoro, Massai Mara, Serengeti...) entvölkert worden sind, um den entstehenden Nationalparken Raum zu geben.

     

    Zwar sind die Massai durch den Einfluss der Regierungen und durch die Verluste immer mehr sesshaft geworden2, aber durch Mangel an Wasser und Nahrung in dem ihnen zugeteilten Steppengebiet sind die Männer oder ganze Familien doch zum Wandern gezwungen. Dies hat verheerende Folgen für die Massai Familien. Die Wasserstellen sind von ihren Bomas meistens 3-10 km entfernt. Die Frauen sind in der Familie für Wassertransport verantwortlich, das sie in Behältern auf ihrem Kopf tragend transportieren. Die Klimaveränderung verursacht aber weitgehend ausfallende Regenzeiten und die altbewährten Wasserstellen können oft nicht mehr genug Wasser der umliegenden Bevölkerung liefern. Auch das Lebenszentrum der Massai, ihr Vieh ist dadurch gefährdet. Die Massai werden durch ihr Vieh mit allem Lebensnotwendigen versorgt und wenn die Tiere wegen Wassermangel sterben, was auch heutzutage öfters vorkommt, haben die Massaidörfer ihre Lebensgrundlage verloren.

     

    Die genannten Herausforderungen werden auch noch durch die wachsende Bevölkerungsdichte erhöht. Laut Paul Berger gab es im Jahre 1946 etwa 50.000 Massai in Kenia und 35.000 in Tanganjika3. Laut Völkerzählung gab es im Jahr 1989 allein in Kenia 377.089 Massai. Tansania hat bei den Völkerzählungen die Stammeszugehörigkeit wegen der sozialistischen Prägung in der Vergangenheit nicht berücksichtigt4. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Zahl der Massai in den beiden Ländern eine Million überschritten hat. Die meisten Familien haben viele Kinder und die Wachstumsrate der Bevölkerung ist sehr hoch. Die Konsequenzen sind für viele verheerend: Armut, mangelnde Hygiene, hohe Kindersterblichkeit, Infektionen (Aids, Tuberkulose, Hautkrankheiten...) und Aussichtslosigkeit für viele.

     

    Seit Jahren arbeitet das Friedensauer Arthur Daniells Institute für Missionswissenschaft im Gebiet Longido für die Massai. Auch im Jahr 2019 reisten vom 11. August bis zum 5 September eine Gruppe von 14 Teilnehmern – vor allem internationale Studierende der Theologischen Hochschule unter der Leitung vom Dozent Dr. László Szabó – nach Tansania. Durch ihre Arbeit bekommen immer mehr Kinder Zugang zur Bildung durch die entstandenen Schulen, täglich eine Mahlzeit an Unterrichtstagen und seelsorgelriche Betreung. Die Gruppe arbeitete in fünf Dörfer und betreute Projekte in drei weitere Dörfer während ihres Aufenthaltes.

     

    Der Magdeburger Chirurg Stephan Rudolph begleitete auch in diesem Jahr unentgeltlich die Projektteilnehmer und gemeinsam mit Rebekka Bekmann, Studentin der Sozialarbeit in Friedensau und Christine Grübele Krankenschwester führten sie in allen Schulen des Projektes Untersuchungen durch und baten medizinische Hilfe an. Etwa 90 % der Kinder und Jugendlichen leiden an Bronchialerkrankungen, insbesondere an Bronchitis. Die Gruppe hat in drei Dörfern die Schulgebäuden wesentlich verbessert, um den Kindern möglichst eine staubfreie Umgebung zu schaffen, um ihre Heilungschance zu erhöhen.

     

    Die Theologiestudenten der Gruppe hatten die Möglichkeit, jeden Abend zu den Massai zu predigen, um ihnen Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln. Samuel Kubesch berichtete davon, wie er dabei Gottes Unterstützung in der Wüste erlebt hat. „Da es zu dieser Zeit in Tansania schon dunkel ist, waren wir auf Strom und einen Generator angewiesen. An einem Abend versuchte ich, den Generator anzuwerfen, aber nach ein paar Sekunden ging er immer wieder aus. Ich versuchte es erneut und immer wieder, holte mir Hilfe von anderen, aber er wollte einfach nicht anspringen. Die ersten Besucher kamen bereits, und es blieb nicht mehr viel Zeit übrig, bis zum Beginn des Vortrages. Ich dachte mir – jetzt kann uns nur noch Gott helfen. So habe ich alle Kinder in der Kirche versammelt und gefragt, ob sie bereit sind, für den Generator zu beten. Als wir fertig waren, fehlten nur noch zwei Minuten, um mit dem Abendprogramm zu beginnen. Ich entschied mich, es noch einmal zu versuchen. Ich ging zum Generator, tat das, was ich zuvor gefühlte 50-mal gemacht hatte … und von da an lief der Generator den gesamten Abend! Lobe den Herrn!

    Für mich war es ein großes Wunder, und ich bin Gott nicht nur für den funktionierenden Generator dankbar, sondern auch dafür, dass die Kinder, die mit mir in der Kirche gebetet hatten, Gottes Allmacht hautnah erleben durften.“

     

    Die jahrelange Arbeit hat bereits Früchte getragen. Die Dörfer, die Vertreter der Regierung und die Behörden haben öfters ihre Wertschätzung für die geleistete Arbeit zum Ausdruck gebracht. Die Freikirche der Siebenten-tags Adventisten in Tansania hat die drei bereits entstandenen Gemeinden mit jeweils über 100 Gemeindeglieder und die Projekte in anderen Dörfern im Gebiet Longido zu einem selbständigen Bezirk organisiert unter der Leitung des kompetenten Massai Pastors Wilbard Sambeke, der vor Ort die Arbeit durchgehend koordiniert und für Nachhaltigkeit sorgt. Die Voraussetzungen für weitere Wachstumsmöglichkeiten scheinen sehr gut zu sein und die Massai bitten um weitere Kooperation. Darunter sind besonders die hunderten von Kindern zu erwähnen, die durch das Projekt Zugang zur Bildung und eine Möglichkeit erhalten, die Welt und auch Gott für sich selbst zu entdecken.

     

     

    Wer mit seiner Spende das Tansania-Projekt der Theologischen Hochschule unterstützen möchte, vermerke bitte
    ‚Spende Tansania-Projekt‘ auf seinem Überweisungsträger (http://www.thh-friedensau.de/stiftungen/). Vielen Dank.

     

     

    1 Donovan, Vincent J, The Massai’, AFER, 1 July 1967, 204.

    2 Siehe: Amin, Mohamed, Duncan Willetts, and John Eames, The Last of the Maasai (Bodley Head, 1987).

    3 Berger, Paul, Tanganjika, in: Afrika. Bernatzik, Hugo Hrsg., Handbuch der Angewandten Völkerkunde, (Wagner'schen Univ.-Buchdruckerei, Innsbruck, 1947), (965-1020), S. 1008.

    4 Coast, Ernestina, ‘Maasai Demography’ (unpublished phd, University of London, University College London, 2001) <http://personal.lse.ac.uk/coast/> [accessed 26 March 2015], p. 42.

     


     
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