Die Freikirche der STA im demographischen Wandel
Eine Untersuchung der demographischen Entwicklung und der Ortsgemeinden in Deutschland

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    Artikel, Szerző: Laszlo Szabo - 2017. Mai 03. 24

    Die Freikirche der STA im demographischen Wandel

    Wie sieht die Zukunftsfähigkeit der Freikirche der STA aus? Sind ihre Leitung und ihre Ortsgemeinden für zukünftige gesellschaftliche, innenkirchliche und demographische Herausforderungen gut gerüstet? Seit Monaten untersuchen die Mitarbeiter des Arthur-Daniells-Institute für Missionswissenschaft an der Theologischen Hochschule Friedensau die demografischen Entwicklungsprozesse in der Freikirche, den Zustand und die statistische Entwicklung der Ortsgemeinden. 

    Wofür braucht man eigentlich eine demografische Analyse einer religiösen Gemeinschaft? Das Ergebnis einer solchen Analyse gibt Auskunft darüber, in welchen Bereichen die Gemeinde gut aufgestellt ist und wo Handlungsbedarf besteht. Dadurch kann es als eine sinnvolle Ergänzung zu den vorhandenen theologischen Überlegungen und biblischen Fragestellungen eine wichtige Hilfeleistung bedeuten. Die Verantwortungsträger bekommen ein Gespür dafür, welche Fragen im Zusammenhang mit dem Thema Demografie wichtig sind und können sich damit beschäftigen, was jetzt getan werden kann, um spätere Engpässe zu vermeiden. Daher ist das Ziel des Forschungsprojekts über die Zustandsanalyse hinaus Impulse für die Anpassung der Strategien und Handlungskonzepte zu geben, um die Zukunftsfähigkeit der Freikirche zu stärken. 

    Die Analyse besteht aus folgenden Gebieten. Sie untersucht die alters- und zahlenmäßige Gliederung der Freikirche und verwendet neben verschiedenen statistischen Kennziffern wie Nettowachstum, Jugendquotient, Altersquotient, etc. auch grafische Darstellungen wie die Alterspyramide.  Sie erforscht unter anderen die Taufzahlentwicklung, den Zugang und den Abgang von Gemeindegliedern und die Frage der Gemeindegesundheit und Zukunftsfähigkeit der Ortsgemeinden anhand von Altersentwicklung und Wachstumstendenzen der letzten zehn Jahre.  

    Entgegen der Vermutungen tragen die Ergebnisse der Untersuchung nicht zu der oft vorhandenen wachsenden Frustration bei, sondern eher das Gegenteil, sie zeigen vorhandene, aber wenig wahrgenommene Stärken und mögliche Handlungsfelder. Als Beispiel kann ich die Vorstellungen über die Alterspyramide unserer Freikirche nennen. Meine mündliche Umfrage über sie hat gezeigt, dass die meisten Leiter davon ausgehen, dass die Altersstruktur der Freikirche alterszentriert ist. Dagegen zeigt die Altersverteilung, dass wir eher über eine mittenzentrierte Altersstruktur sprechen können.  Der 

     

    Kurvenverlauf zeigt, dass die Jahrgänge der sogenannten Babyboomer-Generation im Alter von Ende Vierzig-Anfang Fünfzig dominieren. Sie ist eine leistungsfähige und kräftige Generation, die aber auch in der Gesellschaft schon immer anders war. Unter anderen Bereichen hat diese Generation auch in Familienplanung nicht dem Beispiel der Eltern gefolgt. Die Zahl der Kinder fiel ab dieser Generation in der deutschen Gesellschaft radikal zurück und scheinbar geschah es auch in der Freikirche genauso. 

    Die graphische Darstellung zeigt eindeutig auch den fortschreitenden Prozess der Alterung. Die Prognose zeigt, dass in Zehn Jahren die Altersstruktur der  Freikirche eindeutig alterszentriert aussehen wird, wenn die Entwicklungsprozesse der letzten untersuchten Zehn Jahren unverändert weiterlaufen. Aus den Ergebnissen ist es auch klar zu sehen, dass in allen Altersgruppen ein Frauenüberhang vorhanden ist. Der Anteil der Frauen ist im Durchschnitt in beiden Verbänden über 60 Prozent (in Deutschland waren 2014 etwa 51 Prozent der Bevölkerung weiblich). Die Untersuchung der Austritte zeigt, dass proportional auch mehr Männer die Kirche verlassen als Frauen und auch die Taufzahlen sind bei den Frauen wesentlich höher als bei Männer. Dies wirft die Frage auf, ob es eventuell auch dadurch beeinflusst wird, dass die Programgestaltung und der adventistische Lebensstil eher den Erwartungen und Bedürfnissen der Frauen entsprechen? 

    Die Taufzahlen zeigen, dass vor allem Jugendliche, die in der Adventgemeinde aufgewachsen sind, erreicht und getauft werden.

     

     

    Dies zeigt, dass die besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung für Jugendarbeit Früchte trägt. Im Alter von 21 fällt aber die Zahl der Taufen radikal zurück und über 60 Prozent der adventistischen Jugendlichen, die bis zu dem genannten Alter nicht getauft werden, entfernen sich meistens von der Gemeinschaft. Eine große und selten wahrgenommene Herausforderung für die Freikirche ist die Unterstützung und Betreuung der jungen Erwachsenen, die in der Gemeinschaft aufgewachsen sind, aber sich in die Freikirche nicht integriert haben. Bis zum Lebensjahr 33 sind die meisten von ihnen noch alleinstehend, sie erleben große Herausforderungen wie Studium, Umzug, Suche nach einem Job, Gründung von Familie, etc. und genau in dieser Zeit große Entscheidungen fürs Leben treffen. Für sie existiert sehr wenig Support System, daher ist es kein Wunder, dass kaum welche von ihnen später eine sichtbare Identifikation mit Gemeindeleben entwickeln werden. 

    Die Mission unter den Erwachsenen scheint für die Freikirche eine große Herausforderung zu sein, nur wenige über dem Alter 30 schließen sich der Gemeinschaft an. Erwachsenenausbildung und zielgerichtete Training könnte eventuell den adventistischen Gemeindegliedern helfen, ihre christlichen Werte in der Gesellschaft anziehender zu präsentieren und ihre Relevanz durch praktische Lösungsansätze für vorhandene Bedürfnisse erlebbar zu gestalten. 

    Dies ist desto wichtiger, da die Analyse von Gemeindegröße, Gemeindealtersstruktur und Wachstumsart zeigt, dass der Lebenszyklus vieler Gemeinden eine herausfordernde Phase erreicht hat, aber oft noch genug Stärke für eine Erneuerung und Neuausrichtung besitzt.  

     

     

    Auf jeden Fall ist es aus der Analyse sichtbar, dass die Freikirche noch viel Ressourcen hat, aber damit darf sie nicht zufrieden zurücklehnen, sonders besonders auf Gemeindeebene den Handlungsbedarf wahrnehmen und an der Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaft arbeiten. 


     
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